Liebe Genossen

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Liebe Genossen

und ja, von mir aus auch, …

Werte Leser, …

… es ist mal wieder so weit: Die SPD zeigt wieder mit beeindruckender Beständigkeit die Bereitschaft, mit einer unterdurchschnittlichen Leistungsbilanz zu glänzen.

Ähnlich dem Motto einer anderen sozialistischen Partei: Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Und das in der Form und Qualität, als würde ein 2,5-karätiger Top-Wesselton-Diamant bei schönstem Sonnenschein erstrahlen, nachdem er vorher sorgsam mit Kuchenteig eingekleckert wurde.

Falls Sie sich jetzt fragen sollten: Was soll denn da jetzt noch strahlen? – Eben.

Ich kann Ihnen das natürlich auch ein wenig näher erläutern. Dazu ist es im Vorfeld hilfreich, wenn man sich über Begrifflichkeiten im Klaren ist. 

So sollte man beispielsweise einfach wissen, was man in einer Küche machen kann und als Gegenpol vielleicht auf einer Toilette, beides ist – irgendwie – in sich gegensätzlich.

Und da es nicht schaden kann, sich im Sprachgebrauch und vor allen Dingen auch in der Bedeutung der jeweiligen Worte, die verwendet werden, ganz darüber im Klaren zu sein, was sie bedeuten, hier einmal eine kurze Erklärung zu dem großen S in SPD, also zu dem Wort sozialistisch.

Denn im Großen und Ganzen ist das Branding SPD – was ja angeblich Sozialdemokratische Partei Deutschlands bedeutet – auch eine Aussage und somit ein Statement für das politische Handeln an sich.

Also: Sozialismus ist auch und gerade eine politische Weltanschauung, auch im Bezug auf eine Wirtschaftsordnung, die auf Gleichheit, Solidarität und soziale Gerechtigkeit abzielt. Noch etwas tiefer beleuchtet besteht im Kern kein Zweifel darüber, dass man Produktionsmittel in kollektives oder staatliches Eigentum überführen möchte, um soziale Ungleichheit zu beseitigen.

Andersherum ausgedrückt, aber noch genauso schön: Sozialistisch bedeutet, auf den Prinzipien des Sozialismus zu basieren, der nach einer solidarischen, gleichberechtigten Gesellschaft strebt, die den Kapitalismus überwinden will.

Also jetzt mal ehrlich: Wenn das nicht schön klingt, was klingt denn dann schön?

Und genauso ist das mit der SPD. Wenn das nicht schön klingt, was klingt denn dann schön?

Und weil das eben alles so schön klingt und weil es auch so eine Art Leistungsnachweis in der Politik gibt, steht die SPD jetzt genau da, wo sie steht!

Denn der Zustand der SPD im Jahr 2026 ist übrigens vergleichbar mit dem der Titanic, und zwar genau der Titanic, die ja unsinkbar war und nun seit weit über 100 Jahren auf dem Meeresgrund im Atlantik weiter vor sich hin oxidiert und zerfällt.

Der Glaube an die Unsinkbarkeit war übrigens so lange vorhanden, bis genau zu dem Zeitpunkt, als sie sank.

Bei den Genossen der SPD ist das jetzt ähnlich, die schwimmen in einer Form von Selbstverständnis oben auf der Fettschicht der Politik und glauben immer noch, dass sie unverzichtbar und somit unsinkbar sind, vom Zerfall mal ganz zu schweigen.

Allerdings passen Selbstverständnis und Realität eben nicht mehr zusammen. Denn wer sich genau dieses SPD-Drama der letzten 25 Jahre bei den Genossen angesehen hat, der kann sich des Eindrucks nicht mehr erwehren, …

… dass oben auf der Fettschicht die Kapelle Platz genommen hat, die zum Schluss noch ein fröhliches Abschiedsständchen zum besagten Zerfall spielt.

Denn bei der SPD ist es offensichtlich so, dass der durch Wahlen immer wiederkehrende Leistungsnachweis, der je nach Land und Region alle vier bis fünf Jahre neu ausgestellt wird, mittlerweile als ausdrücklich unbeeindruckend gelten kann.

Dabei gab es Zeiten, da war eine SPD mit weniger als 35 % Stimmenanteil schon in Schieflage, dann gab es eine Zeit, da war die SPD mit weniger als 30 % Stimmenanteil definitiv in Schieflage und dann gab es eine Zeit, da war die SPD mit nur noch über 20 % in Schieflage, nun gibt es eben eine Zeit, da wünschte man sich eine Stabilität mit 15 % Stimmenanteil, muss aber realistischerweise eher mit 13 % rechnen.

Und so sind die Nächte, in denen man sich eigentlich für den nächsten Tag erholen soll, die Nächte vor der nächsten Sonntagsfrage für Klingbeil und Co. nicht wirklich entspannend, denn die Traumphasen haben sich mit großer Wahrscheinlichkeit in einen Horrorstreifen à la Steven Spielberg verwandelt.

Denn die letzte Forsa-Umfrage vom 28. April 2026 sieht die SPD bei nur noch 12 %, …

… und Kinder, wie die Zeit vergeht: Heute, am 09.06.2026, ist man bei 11 % angekommen.

Wow …

Wenn man nun den netten Herrn Klingbeil mit diesen Zahlen konfrontieren würde, dann wäre sein natürlicher Reflex der, dass es sich hier nur um eine unschöne Momentaufnahme handelt und dass sich bis zur nächsten Bundestagswahl noch viele Möglichkeiten für die SPD ergeben, wieder in der Wählergunst nach vorne zu kommen.

Sicher …

Ich würde sogar so weit gehen: Man braucht sich nur die Siegessicherheit der FDP vor der letzten Bundestagswahl anzuschauen, die damals mit dem Rücken an der 5-prozentigen Wählerwand stand und sich dann am Wahlabend in der Waagerechten wiederfand, weil man(n) nun mit 4,3 % attestiert bekam, ….        quasi volle Pulle auf die Fresse gefallen zu sein.

Netterweise sollte man hier noch eines anmerken: Was hätte die FDP-Führung auch anders machen können, als sich vor der Wahl siegessicher zu geben?

Das Gute ist jetzt aber, dass ja Wolfgang wieder das Ruder übernommen hat, wobei „wieder“ falsch ist, - ER - hat das Ruder faktisch zum ersten Mal übernommen, und schwuppdiwupp ist die FDP in der Wählergunst wieder bei 5 %.

Die Damen und Herrengenossen der SPD können von einem Richtungswechsel aber nur träumen, denn für die SPD geht es scheinbar erst einmal weiter bergab.

Und genau dieser Weg bergab, den die SPD nun eingeschlagen hat, …

… das ist ein Weg, der sich in den letzten Jahrzehnten durch eben die besagten Leistungsdokumentationen, die eine Wahl nun einmal ist, manifestiert hat.

Und wenn ich jetzt noch einmal zum Anfang kommen darf und zu der Frage, worin denn die unterdurchschnittliche Leistungsbilanz der SPD im Hier und Heute liegt, dann brauchen wir uns nur einmal das Gesetz der Bundesregierung zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge anzuschauen.

Das sogenannte Altersvorsorgereformgesetz 21/4088 ist übrigens längst nicht so katastrophal wie die Riester-Rente aus dem Jahr 2002, hat aber immer noch die Qualität eines fortgesetzten, vorsätzlich verursachten Schadens für alle, die da mitmachen wollen und sollen – und für die SPD als Mitverursacher sowieso.

Denn letztendlich hat man im Jahr 2002 nicht eine private Altersvorsorge für die zukünftigen Rentnerinnen und Rentner geschaffen, nein, damals hat man diese besagte Personengruppe an die deutsche Versicherungswirtschaft und die in Deutschland tätigen Banken verkauft.

Man hat damals provisionswütige Produkte geschaffen, denn nichts anderes sind die Riester-Verträge und wer nicht das Glück gehabt hat, durch Kinder eine Extraförderung zu erhalten, der hätte besser die Finger davon gelassen.

Ich habe hier sowohl auf schreibtisch1.de schon einmal vor Längerem einen Beitrag verfasst, der sich genau mit diesem Thema beschäftigte, und auch in dem Buch „Geldsache“ habe ich das Thema aufgenommen, weil es in sich schon ein Skandal war und ist.

Die neue zusätzliche private Altersvorsorge, die man jetzt zukünftig abschließen kann und nach jetzigem Stand wohl auch sollte, ist zwar deutlich entschärft, aber man gönnt den Banken und Versicherungen immer noch eine entsprechende Beteiligung.

Kurzum: Kosten von circa 1 % hätte man auch ohne großen Aufwand auf 0,20 % senken können.

Die nächste Kolumne erscheint, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Und wenn sie fertig ist.

Bleiben Sie bis dahin gedankenstark