Soowas kommt von sowas
| ca. 7 Minuten LesedauerWerte Leser, …
wenn etwas passiert, dann deshalb weil …
… weil meist irgendetwas anderes vorher passiert ist.
Und mit dieser Botschaft könnten wir - eigentlich - schon wieder zum Schluss kommen.
Aber das gerade geschriebene / gelesene - eigentlich - ist nun der Türöffner zum Weiterschreiben, Weiterdenken und dadurch vielleicht auch für Sie zum Weiterlesen.
Zudem, was wäre eine Kolumne, wenn sie schon nach drei Sätzen wieder zu Ende wäre, also möchte ich Sie nun erneut dazu einladen, in der Welt der Gedanken ein paar neue Straßen auszuprobieren.
Also, …
wenn wir uns nun mit einer ganz populären Frage beschäftigen und dabei geht es nicht um die Frage, warum in China ein Sack Reis umgefallen ist, nein, eine populäre Frage wäre gerade, warum gibt es eigentlich Kriege?
Als ganz schlichtes Menschenkind könnte man jetzt die folgende Antwort geben; weil sich Menschen nicht mögen, weil sie ihre gegensätzlichen Lebensweisen nicht akzeptieren, ihre systematischen Grundausrichtungen vom Kommunismus bis zum Kapitalismus den jeweils anderen Standpunkt stören, ihre Religionen nicht die Religion des anderen sind oder weil sie etwas haben, was der andere eben nicht hat.
Und ja, das schlichte Menschenkind hat grundsätzlich recht, das sind alles gute / schlichte Gründe, um einen anständigen mörderischen Krieg anzufangen.
Jetzt gibt es aber hinter dieser - warum Frage - noch eine weitere Antwort, und die mag etwas überraschen, die Qualität dieser Antwort ist die Grundlage ähnlich wie bei einer richtig guten asphaltierten Straße der Unterbau, den man quasi nicht sieht, wenn man oben auf dem Asphalt fährt.
Denn die Grundlage für die Form von Krieg wie wir Krieg heute kennen, liegt unter anderem auch darin, dass der Mensch sesshaft geworden ist.
Das, was also nach Kain und Abel passiert ist, ist eine Entwicklung zum großen Gemetzel, zum gegenseitigen Totschlagen, Erdolchen, Erschießen bis hin zum Zerbomben mit Drohnen und Lenkwaffen.
Selbstverständlich haben sich auch schon die Jäger und Sammler vor über 20.000 Jahren hin und wieder mit all den Möglichkeiten gegenseitig umgebracht, die die damalige Zeit und ihr Wissen ihnen zur Verfügung stellte.
So richtig lustig und blutig wurde es aber erst, als immer mehr Menschen die Erde besiedelten und ein Wechsel vom beweglichen Menschen zum sesshaften Menschen folgte.
Denn vor vielen 1.000 Jahren, da zog der Mensch in Kleinstgruppen von vielleicht 20-50 Personen über das Land, das waren dann die sogenannten Stämme.
Wenn diese Stämme zu groß wurden und man die vor Ort auffindbaren Ressourcen nicht genügend teilen konnte, dann bot es sich aus der damaligen Logik heraus schon an, sich weiter aufzuteilen.
Und so gab es dann immer mehr Stämme, Stämme, die wenn sie dann auf Wanderschaft waren, nicht unbedingt aus der gleichen Linie kamen und die Geschichte der Menschheit begann dann mit einem neuen Wandel, wenn man sich irgendwann an einem Ort niederließ und den Vorteil von Sesshaftigkeit erkannte.
Quasi die Grundlage von Ackerbau und Viehzucht, keine Energie mehr für den Weg an sich zu verschwenden, stattdessen die körperlichen Kräfte eher für den Aufbau und die Sicherung der sich vor Ort befindlichen Ressourcen als Lebensgrundlage zu nutzen.
Dieser von mir nun hier aufgezeigte Gedankengang findet dann seine Vervollkommnung in der Erklärung der Unterschiede zwischen Philosophie und Realität.
Denn wenn ich hin und wieder am Flensburger Hafen vorbeifahre und dort vor dem Haupttor der Firma Rheinmetall, den einen oder anderen stillen Demonstranten sehe, … Demonstranten, die grundsätzlich für das Richtige demonstrieren, nämlich Frieden, … dann habe ich zumindest für diese Menschen und ihre Ideen so viel Verständnis wie es nur geht, …
denn ich mag nun mal Philosophen!
In der echten Welt da draußen und die fängt tatsächlich bei Ihnen vor der Haustür an und wenn Sie Pech haben, sogar in Ihren eigenen vier Wänden schon, …
sieht das Ganze ganz anders aus.
Als ich ein Kind war, da hat man mir quasi mit jedem Lebensjahr ein bisschen mehr Philosophieunterricht gegeben und mich gelehrt, es gibt einen Unterschied zwischen dein und mein, man darf niemanden ohne ernsthaften Grund schlagen und wer trotzdem was Schlimmes macht, kommt ins Gefängnis.
Und glauben Sie es nun oder glauben Sie es nicht, mit diesen Grundwerten, in einer friedfertigen Gesellschaft wurde jedes Kind irgendwann einmal konfrontiert und in den meisten Fällen auch erzogen, nur hat es was genutzt?
Menschen, die anderen Menschen etwas klauen, die ihnen körperliches Leid zufügen, Schwarzfahrer oder Menschen, die zu schnell fahren, die zudem noch vor ihrer Verantwortung nach einem Autounfall fliehen, Menschen, die mit illegalen Waffen hantieren, komplexe Einbrüche planen, Enkel-Trickbetrüger oder Tachomanipulanten, Urkundenfälscher oder sogar mordende Mitbürger, mit oder ohne verwandtschaftliche Verknüpfung.
Die Bandbreite von Straftaten, relevanten Dingen, Dinge, die jeden Tag in unserer Gesellschaft passieren und uns schockieren, …
ist extrem breit angelegt und das obwohl all diese Menschen alle irgendwann einmal darüber informiert wurden, was richtig und was falsch ist.
Und das, was im vermeintlich Kleinen an Unrecht in unserer Gesellschaft jeden Tag nach oben kommt, findet natürlich auch im Großen statt.
Das war schon immer so und auch vor Hitler und Stalin gab es Despoten, die Millionen von Menschen auf dem Gewissen gehabt haben, diese Despoten gab es in den Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahren genauso, genauso wie es sie heute gibt.
Prachtexemplare wie Putin und seine Entourage haben der Welt mal wieder gezeigt, wie Unrecht geht und der machtvolle Gebrauch von militärischer Macht wurde ja gerade erst von dem großen blonden amerikanischen Präsidenten, der, der auch mit deutschen Wurzeln ausgestattet ist, eindrucksvoll gezeigt.
Die Bereitschaft, die eigenen Ziele mit militärischer Gewalt durchzusetzen und vor allen Dingen mit Zielen, wie wir sie uns eigentlich gar nicht mehr vorstellen konnten, jetzt aber wohl müssen, ist genau so unbegreiflich, wie der 18-jährige Enkel, der in einem Anfall von Wut seine Großeltern umbringt.
Falls Ihnen das jetzt zu drastisch ist, wie wäre es mit der Tochter, die einen geplanten Erkundungsanruf im Elternhaus durchführt, nur um dann, wenn sie weiß, dass ihre Familie nicht da ist, mit dem Freund ins Haus einzubrechen und die halbe Bude leerzuräumen.
Klingt zwar unglaublich, aber bei letzterem Fall habe ich selbst mit auf der Richterbank gesessen und ein Urteil mit einem Drittel Stimmanteil gesprochen, …
wobei das Urteil von Seiten des Gerichts einstimmig war.
Wenn ich heute also junge Menschen höre, die sich gegen den Krieg aussprechen und auf keinen Fall zur Waffe greifen wollen, ja, das ist eine ganz hübsche Idee, nur hat sie in der Form noch nie wirklich funktioniert, selbst wenn Sie jetzt Mahatma Gandhi als leuchtendes Beispiel für eine gewaltfreie Revolution nennen oder die Menschen, die an den Montagsdemos in der damaligen DDR, vorzugsweise in Leipzig teilgenommen haben.
Das russische Narrativ funktioniert anders, und wie menschenverachtend - die Russen - sind, lässt sich durch unzählige Kriegsverbrechen belegen.
Ich möchte jetzt nicht nur, nein, ich muss jetzt auch klar sagen, die Russen sind nicht die Russen, sondern es sind eben die Russen, die ich meine!
Übrigens ist es noch gar nicht so lange her, dass wir Deutschen ein freundliches Volk von verblendeten Mördern waren, wir haben sehr gute Gründe dafür gefunden, Menschen Leid zuzufügen, nur weil diese Menschen nicht in unser Weltbild passten.
Und wer heute glaubt, Menschen sind grundsätzlich gut und mit Joghurt und Räucherstäbchen lassen sich Konflikte lösen, wobei das gute und freundliche Gespräch in Verbindung mit einem Gebet gehört natürlich auch mit dazu, …
der lebt in einer interessanten psychodynamischen Fantasiewelt.
Sollten sich jetzt aber irgendwann so viele Menschen aus allen Ländern von allen Kontinenten vor dem Haupttor von Rheinmetall versammeln und für Frieden beten, Peace-Plakate hochhalten, das Ganze mit oder ohne Bart und von mir aus auch noch Hare Krishna singen, …
… dann sagt bitte Bescheid, da will ich mit dabei sein
Die nächste Kolumne erscheint, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
Und wenn sie fertig ist.
Bleiben Sie bis dahin gedankenstark
