Von Schafflund und Hvide Sande

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Werte Leser,

die Woche beginnt – und so habe ich mir voller Wagemut gedacht: Dann kann ich ja auch auch mal anfangen.

Heute, am Montag, den 9. März, fahren wir spontan nach Hvide Sande in Dänemark, denn wer weiß schon, wie lange es diesen Ort noch gibt.

Für Dänemark-Fans ist Hvide Sande ein echter Sehnsuchtsort und falls Sie nicht ganz so Dänemark-affin sein sollten, hier eine einfache Wegbeschreibung:
Sie fahren an der deutschen Nordseeküste Richtung Norden, in den meisten Fällen ist das die B5. 
 
Wenn Sie dann die dänische Grenze überfahren haben, fahren Sie einfach weiter Richtung Norden – auch wenn die Straße irgendwann nicht mehr B5 heißt.

Im Grunde fahren Sie dann einfach die dänische Version der B5, ich weiß zwar nicht, wie diese Straße tatsächlich heißt, aber das spielt auch keine große Rolle. Man kann sich nämlich kaum verfahren.

Irgendwann liegt Rømø links von Ihnen, Sie fahren weiter Richtung Ribe und später an Esbjerg vorbei, auf Höhe Esbjerg halten Sie sich möglichst links. 
 
Ihr Navigationssystem hilft dabei, denn „the Big Blue Thing over there“ – Emilys Bezeichnung für das Meer – sollte sich westlich von Ihnen befinden.

Oder einfacher gesagt: Folgen Sie einfach der Spitze Ihres Autos.
Dann kommen irgendwann die bekannten Orte: Blåvand, Henne Strand, – und schließlich weiter nördlich Hvide Sande.

Und genau dort fahren wir heute hin.

Wobei Hvide Sande eigentlich gar kein richtiger Ort ist oder vielleicht doch?

Es ist ein wenig kompliziert.

Wenn Sie bei Google eingeben: „Wo ist Hvide Sande?“, dann bekommen Sie etwa folgende Erklärung:
„Hvide Sande ist keine Stadt mit klar definierter Ausdehnung, sondern ein Fischerort auf der etwa 40 Kilometer langen Landenge Holmsland Klit zwischen Nordsee und Ringkøbing Fjord, der Ort entstand rund um das 1931 eingeweihte Schleusensystem.“

So weit die geografische Präzision.

Vergessen Sie das ruhig wieder und merken Sie sich stattdessen einfach:
Hvide Sande = extrem schön = Sehnsuchtsort.

Und genau dorthin fahren wir heute.

Der Anlass dafür ist allerdings weniger schön, eigentlich trägt er eine ziemlich unangenehme Botschaft in sich.

Denn Hvide Sande ist – zumindest langfristig – dem Untergang geweiht.

Falls Sie jetzt aus Düsseldorf kommen und spontan sagen: „Gut, Düsseldorf vielleicht auch“, dann mag das stimmen, bei Hvide Sande ist es nur etwas offensichtlicher.

Denn wenn man den Wissenschaftlern glaubt, dann wird durch den Klimawandel und die damit verbundene Erderwärmung auch der Meeresspiegel deutlich steigen.

Entscheidend ist dabei nur eine Frage:
Mit welcher Software arbeitet Ihr Gehirn?

Wenn Ihre Wissenssoftware vor zwanzig Jahren installiert wurde, können Sie sich entspannt zurücklehnen, damals ging man davon aus, dass der Meeresspiegel bis zum Ende dieses Jahrhunderts etwa einen Meter steigen würde.

Wenn Ihr Gehirn jedoch kürzlich ein Update bekommen hat, wird es interessanter, denn immer mehr wissenschaftliche Institutionen korrigieren diese Prognose nach oben und damit ist nicht ein bisschen mehr gemeint, sondern deutlich mehr Meer.

Mit genau dieser neuen Situation beschäftige ich mich derzeit intensiver: dem möglichen Anstieg des Meeresspiegels in den kommenden fünfzehn bis fünfundzwanzig Jahren.

Ein erstes Fazit lässt sich dabei schon jetzt ziehen:
Das Streben nach mehr liegt auf der genetischen Grundplatte des Menschen, …
das berühmte - Höher, schneller, weiter.

Wenn es allerdings um - mehr Meer - geht, wird das „höher“ für einige Menschen in Zukunft zu einer echten Herausforderung, denn diese Zukunft könnte schneller eintreten, als es vielen lieb ist.

Genau deshalb bin ich nach Hvide Sande gefahren.
Das Ergebnis war ein wunderschöner Tag in einer beeindruckenden Landschaft.
 
 Zudem gab es ein bisschen Fisch zum Mittag – die Pommes hätten nicht unbedingt sein müssen – dazu Sonnenschein, Weite und dieses Gefühl von Freiheit, das die Nordsee so zuverlässig erzeugt.

Und ganz nebenbei entstand noch ein Bild für das Buchprojekt, an dem ich gerade arbeite: vier Verkaufsschilder vor Ferienhäusern.

Offenbar geht man in Dänemark etwas offensiver mit der Situation um, zumindest scheint an der dänischen Westküste das Wissen über den steigenden Meeresspiegel bereits angekommen zu sein.

Oder anders gesagt:
Der Däne – und selbstverständlich auch die Dänin – hat sein Wissens-Update bereits erhalten und einige versuchen jetzt noch schnell, ihre Ferienhäuser wieder zu Geld zu machen.

Und genau an dieser Stelle wird der Übergang interessant, denn wenn man sich mit Veränderungen beschäftigt, dann stellt sich irgendwann die Frage, ob Updates nur für Küstenregionen notwendig sind.

Oder vielleicht auch für Verwaltungen?

Und damit wären wir in Schafflund oder ungleich möglichst präzise zu sein, …beim Amt Schafflund.

Denn auch das Amt Schaffung könnte ein Update gebrauchen.

Seit geraumer Zeit begleite ich das Handeln sowohl in der Gemeinde, als auch im Amt Schafflund. 
 
Und das ist, vorsichtig formuliert, ausgesprochen interessant.

In den vergangenen Jahren konnte ich verschiedene Verfahren auf Amtsebene beobachten – Verfahren, die so verfahren waren, dass sich sogar Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei zu Ermittlungen veranlasst sahen.

Der Höhepunkt kam im Frühjahr 2022.

Ein weit fortgeschrittenes Ermittlungsverfahren gegen mehrere Beteiligte – darunter der Bürgermeister von Großenwiehe, der Amtsvorsteher des Amtes Schafflund und ein Verwaltungsleiter beim Kreis Schleswig-Flensburg – wurde plötzlich eingestellt.

Auslöser war damals ein neues Feuerwehrgerätehaus an denkbar ungünstiger Stelle.

Als die Lage für einige Beteiligte unerquicklich zu werden drohte, griff das Land Schleswig-Holstein ein und zeigte dem Bürger, wie man einen Grand mit vieren spielt, ohne vier auf der Hand zu haben.

Der höchste Trumpf im politischen Kartenspiel heißt nämlich: ministerielle Weisung.

Eine ministerielle Weisung wirkt ungefähr wie eine Super-Nivelliermasse: einmal darüber gegossen – und alles ist glatt.

Ich hatte damals eine Rechtsauffassung vertreten, die aus meiner Sicht strafrechtlich relevante Handlungen betraf, daraus entstand eine Anzeige, ein Aktenzeichen und eben auch umfangreiche Ermittlungen.

Am Ende hätte man eigentlich eine Anklage erwartet.

Aber nicht unbedingt in einem System, in dem ein Minister sagen kann: Dieses Ermittlungsverfahren lassen wir jetzt ruhen.

So einfach kann es manchmal gehen.

Und auch wenn einige Beteiligte glauben, damit sei alles erledigt – ich kann Ihnen versichern: Das ist es nicht.
 
Aber nicht nur dieses Verfahren ist noch nicht beendet, nein, es kommen immer wieder neue, nicht nur in meinen Augen fragwürdige Handlungen hinzu.

Denn wenn man beginnt, sich mit - weiteren Themen - zu beschäftigen und auf kommunaler Ebene die eine oder andere Schublade zu öffnen, dann fühlt sich das manchmal an wie ein Besuch in einem Haus, das seit Jahrzehnten leer steht.

Man findet einen alten Küchenschrank, eine dicke Staubschicht – und wenn man eine dieser Schublade öffnet, kommt gelegentlich ein historisches Lebensmittel zum Vorschein, ein Lebensmittel, dem man die Genussfähigkeit absprechen muss.

Genau so haben wir uns in den vergangenen Monaten intensiv mit verschiedenen Vorgängen im Amt Schafflund beschäftigt.

Wir – das heißt in diesem Fall: wir von Nordkanal1.

Am 12. März 2026 findet übrigens wieder eine Sitzung des Amtsausschusses statt und wer einen Blick in das Mitteilungsblatt wirft, kann sich bereits jetzt auf einen möglichen Formfehler einstellen.

Denn – um es bayerisch zu formulieren – a bisserl was geht immer.

Unter Tagesordnungspunkt 4b steht dort: „Wahl einer stellvertretenden Schiedsamtsperson für den Schiedsamtsbezirk Schafflund.“

Das klingt korrekt.

Ist es aber nicht.

Denn einen Schiedsamtsbezirk Schafflund gibt es gar nicht.

Was es gibt, ist ein Schiedsamt für das Amt Schafflund.

Und genau dafür hat das Amt sogar eine Stellenausschreibung veröffentlicht.

Für juristische Laien mag das nach einer Kleinigkeit klingen, formalrechtlich ist es allerdings ein deutlicher Unterschied.

Ähnlich eines kleinen Kommas, was schließlich auch den gesamten Sinn eines Satzes verändern kann.

Viel Ahnung hat das Amt Schafflund nicht, aber die dort lebenden Bürger.

Oder: 
Viel Ahnung hat das Amt Schafflund, nicht aber die dort lebenden Bürger.

Sollte der Amtsausschuss also tatsächlich über den falsch bezeichneten Tagesordnungspunkt abstimmen, wäre diese Wahl nicht gültig.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird dann jemand im Publikum darauf hinweisen.

Ebenso wahrscheinlich wird anschließend versucht werden, den Tagesordnungspunkt kurzfristig zu ändern.

Nur: Auch das ist rechtlich nicht ohne Weiteres möglich, denn unser rechtsstaatliches System kennt das Transparenzprinzip.

Bürger müssen vorher wissen, worüber beraten wird, deshalb muss die Tagesordnung öffentlich bekannt gemacht werden – und kann nicht beliebig verändert werden.

Nur in echten Notfällen wäre das zulässig.

Eine Wahl zum stellvertretenden Schiedsamt gehört eher nicht dazu, übrigens sind Änderungsanträge in der kommunalen Praxis inzwischen erstaunlich beliebt geworden.

Bleibt nur die Frage, wie belastbar sind diese durch einen Änderungsantrag in den jeweiligen Sitzungen beschlossenen Entscheidungen eigentlich?

Und so bleibt mir zum Schluss nur eine Feststellung:
Egal ob die politischen Wirrungen im Amt Schafflund oder der steigende Wasserstand bei Hvide Sande –
 was heute noch besonders schön erscheint, kann morgen schon ganz anders aussehen.

Die nächste Kolumne erscheint, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
Und wenn sie fertig ist.

Bleiben Sie bis dahin gedankenstark.