Vor die Lage kommen

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Werte Leser, …

… eine ganz einfache Frage:
Werden Sie durch die Lage gelenkt oder sind Sie selbst vor der jeweiligen Lage – und bestimmen den Kurs somit weitestgehend selbst?

Ich frage nur deshalb, weil in der großen Weltpolitik die deutsche – oder ich sollte vielleicht besser sagen: die europäische – Sicht auf das ganze Kriegsgeschehen ganz anders gesehen wird als von den Super-Alphatierchen Trump und Putin.

Wir vertreten ja den Standpunkt, dass die Ukraine überfallen wurde, während Herr Trump die Notwendigkeit, ja sogar den Zwang sah, dass die Ukraine überfallen werden musste!
(Wenn Sie das jetzt hier so lesen, muss das nicht unbedingt die aktuelle Meinung des großartigsten jemals präsenten amerikanischen Präsidenten sein. Das kann zwischendurch auch noch mal wechseln und dann erneut wieder zurückschlagen.)

Der vorangegangene Satz ist nicht nur für einen normal denkenden Menschen schwer zu verstehen, er ist übrigens auch schwer zu schreiben!

Und das, was sich dann daraus ergibt, ist eine Welt, in der wir – wir Deutschen und die Belgier, die Niederländer, die Slowaken, die Dänen, die Griechen, die Franzosen, die Polen, die Esten, die Schweden, die Norweger, die Rumänen, die Italiener, die Portugiesen, die Spanier, die Finnen, die Österreicher, die Litauer, die Slowenen, die Malteser und Iren, die Zyprioten, die Luxemburger, die Bulgaren, die Letten, die Tschechen – und irgendwen habe ich doch danach vergessen, … ach ja, die Ungarn, …
in der wir also nach den Vorstellungen von Herrn Präsident Trump mal die Fresse halten sollten – und die Ukrainer sowieso – und ER und Putin werden das Ganze schon regeln.

Die Ungarn mit Herrn Orban an der Spitze sind übrigens in der Grundausrichtung damit einverstanden – damit einverstanden, die Ukraine zu opfern, anstatt an eine freiheitlich-demokratische, durch Menschenrechte gestützte Gesellschaft zu glauben und entsprechend zu handeln.

Und somit ist alles, was sich daraus bislang entwickelt hat, … das, was ich jetzt „hinter der Lage zu sein“ nenne.
Und hinter der Lage zu sein, ist genauso wenig komfortabel wie hinter einem Flugzeugträger, der mit 35 Knoten über die Weltmeere pflügt, Wasserski zu laufen.

Kann man zwar machen, macht aber irgendwie auch keinen wirklichen Spaß!

Bleibt also erst einmal nur die Frage:
Wie kommt man jetzt wieder vor die Lage?

Die gute Nachricht vorweg: Das ist gar nicht so kompliziert. Das ist höchstens etwas außergewöhnlich, denn man muss etwas machen, was wiederum nicht so ganz üblich ist.

Stellen Sie sich doch einfach einmal vor, Sie würden morgen früh in den Nachrichten vernehmen, dass alle europäischen Staats- und Regierungschefs sich geschlossen hinter Donald Trump stellen und ihn als den absoluten Führer der westlichen Welt unbedingt anerkennen und ansehen.

Des Weiteren würde man mit sehr ernster Mimik und noch ernsterer Stimme erklären, dass wir Europäer es gar nicht wert seien, so einen großartigen amerikanischen Führer zu haben, und wir uns deshalb sofort demütigst unterwerfen werden.

Wie jetzt?

Ich spüre deutlich, wie sich ein Großteil von Ihnen hier nicht einmal ansatzweise bereit erklärt, sich auf ein solches gedankliches Experiment einzulassen.
Sie Spielverderber.

Aber das ist irgendwie auch in Ordnung. Ich habe da eine andere Idee, Ihnen den Ansatz meiner Überlegungen nahe zu bringen und vermutlich auch Ihr Blickfeld damit zu verändern.

Also – zweiter Versuch:
Denken Sie sich doch jetzt bitte einmal Folgendes vor …

Die Amerikaner sind in ihrer politischen Vielfalt sehr breit aufgestellt. Es gibt dort das Lager der Republikaner und das Lager der Demokraten. Dazwischen gibt es nichts – und links und rechts neben den genannten Parteien gibt es im eigentlichen Sinne auch nichts. Und wenn es da etwas gibt, dann ordnet man das, was es da gibt, eben wieder den Republikanern oder den Demokraten zu.

Ist doch im Prinzip ganz einfach zu verstehen. Nur machen wir das jetzt einmal so, dass Sie sich nicht mehr an dem klassischen deutschen Parteienbild orientieren – nein, Sie dürfen jetzt nur Demokraten oder Republikaner, Republikaner oder Demokraten wählen.

Wenn wir dieses Szenario in Deutschland einmal wählerisch durchspielen würden, dann glaube ich, dass die Republikaner am Boden wären und die Demokraten die deutlich stärkere Macht im Land.

Klar haben hier die Republikaner auch ihre Fans – und einige dieser Fans haben auch Fans – und somit ist schon auch eine gewisse Wählbarkeit des großartigen amerikanischen „Rep“-Präsidenten vorhanden, aber eben nicht in der breiten Masse, zumindest nicht hier bei uns in good old Germany.

Frau Weidel von der AfD wäre übrigens so ein Beispiel für eine begeisterte Rep-Fanin, …
und wenn ich mir nun vorstelle, wie diese „eloquente Frau“ wieder mal bei einer Fernsehsendung in die Kameras blickt und dabei so ausschaut wie eine Matroschka, die mit einem Tasmanischen Teufel gekreuzt wurde, der sich gleich übergibt – und zwar deshalb, weil eine Matroschka, die mit einem Tasmanischen Teufel gekreuzt wurde, sich nun mal hauptsächlich übergibt –, … dann wissen Sie bestimmt, was ich meine bei diesem in meinem Gehirn fest eingebrannten verzerrten Gesichtsausdruck.

Aber egal – wir wollen jetzt ja einfach nur mal wählen.
Und wenn wir also die Wahl hinter uns gelassen haben und die Stimmen ausgezählt sind, dann würde ich jetzt einfach mal so pauschal behaupten: Bei einer Wahlbeteiligung von 64,8 % würden sich von diesen beteiligten Wählern 78,6 % für die Demokraten aussprechen, und den Anteil für die Republikaner müssten Sie sich dann mal selbst ausrechnen. Ich selbst schätze, sie kämen nur so knapp über 20 %.

Und jetzt die ganz offene Frage:
Würde uns das irgendwie helfen?
Hätte uns das irgendwie geholfen – und zwar in einer Vergangenheit, die noch gar nicht so lange her ist?
Denn es gab ja auch eine Zeit in den Vereinigten Staaten von Amerika, da konnte man noch ohne Angst in den Kindergarten gehen oder als Altenpflegerin alte Menschen pflegen.

Das war die Zeit, als die Demokraten noch die politische Mehrheit hatten – und wenn wir uns jetzt in der Zeitschiene einmal mehr als eine Dekade nach vorne bewegen, also nach hinten … ich meine die Zeit, als ein gewisser Barack Obama Präsident war – übrigens ein Präsident der Demokraten –, da war die Welt doch noch in Ordnung!

Oder?

Und jetzt erzähle ich Ihnen mal eine Geschichte, die man genauso hätte schreiben können … hätte schreiben können, auch wenn man es so nicht hat, so wäre es möglich gewesen.

Im September 2012 sitzt der amerikanische Präsident gerade mit seiner Frau Michelle am Frühstückstisch und liest sich nebenbei ein Dossier des Geheimdienstes durch.
In diesem Dossier wird die Erkenntnis geteilt, dass Russland sich in der Planungsphase befindet, die Ukraine anzugreifen – und zwar, um genau zu sein: die Krim.

Nachdem der Präsident Obama noch einen Schluck Kaffee genommen hat und mit der Serviette liebevoll ein klein wenig verschmiertes Frühstücksei aus dem Mundwinkel seiner Michelle gewischt hat, setzt er sich mit seinem Geheimdienstchef in Verbindung und bittet um weitere Informationen.

Die weiteren Informationen sehen so aus: Die Geheimdienste haben gesicherte Erkenntnisse gesammelt, dass ein Angriff auf die Krim vonseiten Russlands geplant ist – dies aber frühestens für den Winter 2013 oder das Frühjahr 2014 durchgeführt werden kann und soll.

Also wird bei der nächsten Kabinettssitzung – da, wo nur die wirklich wichtigen Leute zusammenkommen – diese Information geteilt, und alle schauen sich danach nur mit großem Achselzucken an.
Und die Damen und Herren sagen und denken vielleicht erst einmal:
Ja und? Wen interessiert schon die Krim?

Vielleicht hätte sich dann der ein oder andere aus dem großen amerikanischen Kabinett gemeldet und die Qualität von Krim-Sekt hervorgehoben. Und im gleichen Atemzug hätte das amerikanische Außenministerium, vertreten durch Außenministerin Hillary Clinton, noch erklären können, dass man da so ein Papier in den Aktenordnern gefunden hat – das sogenannte Budapester Memorandum –, und dieses Memorandum weitreichende Sicherheitsgarantien beinhaltet.

Und vielleicht erinnert sie sich dann auch noch an das Jahr 1994, wo eben ihr Mann Präsident war, also der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der die Unterschrift unter dieses besagte Budapester Memorandum gesetzt hat – und ihr später, bei einem romantischen Abendessen mit anschließender Zigarre, die nun noch sicherere Welt erklärte, bevor er einen kräftigen Zug durch den kubanischen Luststängel zog.

Jetzt ist es allerdings nicht so, dass das Budapester Memorandum einen Passus enthält, der der Ukraine zusichern würde, dass im Falle einer militärischen Bedrängnis von außen sich die siebte US-Kavallerie in Bewegung setzt, aber …

Die nächste Kolumne erscheint in den kommenden Tagen, wenn die Zeit dazu gekommen ist, …
und wenn sie fertig ist!

Bleiben Sie bis dahin gedankenstark